Eine Ärztin untersucht den Rachen einer Patientin und tastet die Mandeln ab

28 Mai 2024

Mandelentzündung bei Kindern

Eine Mandelentzündung (Angina tonsillaris) ist nie willkommen, doch gerade Kindern und Kleinkindern kann die Infektion schwer zu schaffen machen. Denn sobald Bakterien oder Viren die Gaumenmandeln befallen, wird Schlucken oder Sprechen zur schmerzhaften Schwerstarbeit. Hier erfahren Sie, welche Symptome als Warnzeichen gelten und welche kindgerechten Arznei- oder Hausmittel den Heilungsprozess unterstützen können.

Mandelentzündung bei Kindern: das Wichtigste in Kürze

  • Die Mandelentzündung (Angina tonsillaris) wird auch Angina oder Tonsillitis genannt
  • Sie ist ansteckend und kann durch Viren oder Bakterien verursacht werden
  • Klassische Anzeichen sind starke Hals- und Schluckschmerzen, gerötete, geschwollene Mandeln (eventuell mit eitrigem Belag) und plötzliches Einsetzen der Symptome
  • Hausmittel wie warme Kräutertees, Halswickel und Halsbonbons können die Beschwerden bei Kindern lindern
  • Bei Kindern ab zwei Jahren kann das Tantum Verde Spray (Pflichttext) zur Linderung beitragen
  • Ursache bitte ärztlich abklären lassen, um Fehldiagnosen zu vermeiden und festzustellen, ob Antibiotika zur Behandlung notwendig sind

Mandelentzündung bei Kindern: Ursache und Definition

Bei einer Mandelentzündung (Angina tonsillaris), auch Angina oder Tonsillitis genannt, werden die für das Immunsystem wichtigen Gaumenmandeln (Tonsillen) im hinteren Rachen von Viren oder Bakterien (meist Streptokokken) befallen.

Das Gewebe rötet sich, schwillt an und schmerzt – die Entzündung beginnt häufig plötzlich und kann ein- oder beidseitig Beschwerden auslösen.

Erkältungsviren sind die häufigste Ursache einer Mandelentzündung bei Kindern. Der Verlauf ist hier im Normalfall leichter und kürzer als bei einer bakteriell bedingten Angina. Bei einer bakteriellen Mandelentzündung werden eventuell Antibiotika verordnet. Dies entscheidet Ihr Kinderarzt/Ihre Kinderärztin.

Die wichtigsten Symptome einer Mandelentzündung bei Kindern

Angina oder Erkältung? Akute, eitrige Mandelentzündung oder klassische Kinderkrankheit? Die Symptome der Mandelentzündung bei Kindern sind vielfältig – und nicht immer eindeutig.

Doch woran erkennen Sie, ob Ihr Kind eine Tonsillitis hat? Die folgende Liste gibt Orientierungshilfe bei der Einordnung:

Typische Symptome der Angina bei Kindern

  • Plötzlich auftretende Beschwerden
  • Heftige Halsschmerzen und Heiserkeit
  • Starke Schluckbeschwerden
  • Schwellung und Rötung der Gaumenmandeln, eventuell mit weißlich-gelbem Belag oder punktuellen „Eiterstippen“ (bei bakterieller Beteiligung)
  • Abgeschlagenheit und Fieber, eventuell Schüttelfrost
  • Ungewöhnlicher Mundgeruch
  • Geschwollene Lymphknoten am Hals
  • Bei Kleinkindern auch Übelkeit und Bauchweh

Bitte beachten: Da eitrige Mandelentzündungen ärztlich behandelt werden sollten und einige dieser Symptome auch auf andere Erkrankungen (z. B. Scharlach, Pfeiffersches Drüsenfieber oder Abszesse) hindeuten könnten, lassen Sie die Symptome bitte vom Kinderarzt/von der Kinderärztin abklären.

Mandelentzündung bei Kindern – was hilft?

Schlimm, das eigene Kind leiden zu sehen! Wenn selbst Sprechen, Essen und Trinken zur Qual werden, ist jede Linderung willkommen. Rezeptfreie Arzneimittel und praktische Hausmittel können Kindern helfen, die Tonsillitis leichter zu überstehen. Doch nicht alle bewährten Patentrezepte sind automatisch auch für die Jüngsten geeignet.

Das tut Kindern gut: Hausmittel bei Angina & Co.

Starkes Halskratzen erfordert sanfte Mittel: Mit viel Bettruhe, liebevoller Aufmerksamkeit und Hausmitteln wie lauwarmen Kräutertees oder zuckerfreien Halspastillen erleichtern Sie Ihrem Kind den Verlauf der Mandelentzündung.

  • Ausreichend Flüssigkeit hält die Schleimhäute feucht. Sparsam oder nicht gesüßte Kräutertees mit Salbei, Kamille, Lindenblüte oder Thymian können zusätzlich entzündungshemmend wirken und sollten in kleinen Schlucken getrunken werden.
  • Zuckerfreie Bonbons fördern den Speichelfluss und tragen so ebenfalls zur Linderung bei. Das Lutschen lenkt zusätzlich ab und wird oft als kleine Belohnung empfunden.
  • Milde, weiche, zimmerwarme Speisen wie Joghurt, Bananen, Grießbrei, Pürees oder wenig gewürzte Suppen werden von den meisten Kindern gut akzeptiert.
  • Wärmende oder kühlende Halswickel wie warme Teeumschläge oder kühle Quarkwickel können die Beschwerden mildern.
  • Absolute Schonung ist jetzt das A & O. Mit braver Bettruhe, Hörspielen, Vorlesen und Kuscheln machen Sie alles richtig.

    Wenn Ihr Kind bereits sicher Gurgeln und Inhalieren kann, wären diese Hausmittel ebenfalls denkbar. Allerdings bitte nicht bei einer eitrigen Angina, da gerade beim Gurgeln beteiligte Bakterien in die Blutbahn wandern könnten.

Sonderfall Eis: Obwohl Kälte bei Halsschmerzen eine betäubende Wirkung entfaltet, wird Speiseeis mittlerweile nur noch direkt nach der operativen Entfernung der Mandeln zur Blutungsstillung und Linderung empfohlen.

Ein Junge auf einem Sofa ist in eine wärmende Decke eingehüllt und trinkt aus einer Tasse, neben ihm ein Erwachsener

Auf die Auswahl kindgerechter Arzneimittel achten

Da nicht jedes rezeptfreie oder verschreibungspflichtige Medikament auch für den Nachwuchs geeignet ist und die Dosierung oder Darreichungsform abweichen kann, sollten Sie hier besonders auf die richtige Auswahl achten.

So kann bei Kindern ab zwei Jahren z. B. Tantum Verde Spray (Pflichttext) angewendet werden, das Schmerzen und Reizungen im Mund- und Rachenraum lindert und zusätzlich eine entzündungshemmende Wirkung entfaltet. Kinder ab 6 Jahren können zur Linderung von Schmerzen und Reizungen im Mund- und Rachenraum im Zusammenhang mit einer Mandelentzündung auch Tantum Verde Lutschtabletten (Pflichttext) anwenden.

Bei bakterieller Beteiligung verschreibt Ihr Kinderarzt/Ihre Kinderärztin eventuell zusätzlich Antibiotika. Bei sehr starken Schmerzen sind auch für Kinder zugelassene Präparate mit Paracetamol oder Ibuprofen (z. B. in Zäpfchenform) denkbar.

Der Behandlungs-Schnellcheck bei Kindern, Kleinkindern und Babys

  • Säuglinge und Kinder unter einem Jahr: Bitte keine Haus- oder Arzneimittel mit Honig oder Ahornsirup
  • Säuglinge und Kleinkinder: Vorsicht bei der Verwendung von ätherischen Ölen, die starke Nebenwirkungen (z. B. einen Kehlkopfkrampf) hervorrufen können. Bitte halten Sie hier (auch z. B. bei Mitteln zum Einreiben) unbedingt erst Rücksprache mit Ihrer Apotheke.
  • Kinder unter 6 Jahren: eventuelle Verschluckungsgefahr. Lutschtabletten sollten deshalb erst verabreicht werden, wenn die Kleinen sicher lutschen können. Auch Gurgeln oder Inhalieren steht erst auf dem Behandlungsplan, wenn Ihre Zöglinge dies schaffen, ohne sich dabei zu verschlucken oder zu verbrühen.

Wegen Gefahr des Reye-Syndroms sollte Acetylsalicylsäure (ASS, auch bekannt als Aspirin) nur auf ärztliche Anordnung zum Einsatz kommen.

Dann ist der Gang zum Kinderarzt/zur Kinderärztin wichtig

In den folgenden Fällen sollten Sie bei Verdacht auf Mandelentzündung Ihren Kinderarzt/Ihre Kinderärztin aufsuchen.

  • Hohes Fieber, Mattigkeit, Schüttelfrost
  • Hautausschläge
  • Geschwollene Lymphknoten am Hals
  • Starke Schluckbeschwerden
  • Eitrige Mandeln (weiße Stippchen)
  • Bauchschmerzen und Übelkeit

Denn diese Symptome können nicht nur auf eine bakteriell bedingte Angina hinweisen, sondern auch auf andere, behandlungsbedürftige Krankheitsbilder wie Scharlach.

Bei häufig entzündeten oder dauerhaft vergrößerten Mandeln ist eine chirurgische Entfernung (Tonsillektomie) möglich, um chronische Verläufe oder andauernde Atembeschwerden zu vermeiden. Auch hier ist der Kinderarzt/die Kinderärztin Ihre erste, beratende Anlaufstelle.

Wissenswert: Funktion der Mandeln bei Kindern

Als Teil unseres Abwehrsystems erfüllen die Mandeln (Tonsillen) eine wichtige Rolle und Schutzfunktion: Ihr schwammartiges Gewebe fängt im Rachen Erreger ab, die über Mund oder Nase eindringen, und signalisiert gleichzeitig dem Körper, ob diese harmlos oder gefährlich sind.

Da sich das Immunsystem erst ausbilden muss, schlagen die Mandeln in den ersten Lebensjahren besonders häufig Alarm und lösen Entzündungsprozesse aus, um die (vermeintlichen) Eindringlinge zu bekämpfen. Die Folge: Kinder und Kleinkinder leiden deutlich häufiger an Mandelentzündungen als Erwachsene.

Häufig gestellte Fragen

Bei Kindern äußert sich eine Mandelentzündung oft mit den folgenden Symptomen:

  • Starke Halsschmerzen und Schluckbeschwerden
  • Geschwollene, gerötete Mandeln, eventuell weiß-gelblich belegt
  • Mattigkeit, Fieber, Schüttelfrost
  • Lymphknotenschwellung am Hals
    Mundgeruch
  • Bei Kleinkindern auch Bauchschmerzen und Übelkeit

Eine viral bedingte Mandelentzündung (Angina tonsillaris) bei Kindern heilt meist innerhalb von 1 bis 2 Wochen wieder ab.

Sind Bakterien der Auslöser für die Mandelentzündung, müssen eventuell Antibiotika verschrieben werden.

Dauert die Angina länger als drei Monate, spricht man von einer chronischen Mandelentzündung.

  • Achten Sie auf viel Ruhe, Flüssigkeitszufuhr und leicht schluckbare Speisen
  • Lassen Sie die Diagnose Mandelentzündung (Angina tonsillaris) vom Kinderarzt/von der Kinderärztin bestätigen
  • Nutzen Sie zur Symptomlinderung eventuell zusätzliche, kindgerechte Arzneimittel wie Tantum Verde Spray (Pflichttext).

Bei einer Mandelentzündung tun Kindern weiche, zimmerwarme Speisen wie Grießbrei, Bananen, Joghurt, Suppen oder Pürees gut. Sie reizen die entzündete Schleimhaut nicht so stark und schmerzen weniger beim Schlucken.

Ja, eine Mandelentzündung bei Kindern ist grundsätzlich ansteckend, ganz gleich, ob sie viral oder bakteriell bedingt ist.

Die beteiligten Erreger werden per Tröpfcheninfektion (Atmen, Sprechen, Husten, Niesen) übertragen.

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Hinweise

Deutscher Berufsverband der Hals-Nasen-Ohrenärzte e. V. https://www.hno-aerzte-im-netz.de/krankheiten/mandelentzuendung/lage-und-funktion-der-mandeln.html
Abgerufen am 3.4.2024


Berufsverband der Kinder- und Jugendärzt*innen https://www.kinderaerzte-im-netz.de/krankheiten/halsschmerzen-mandelentzuendung-angina/symptome-krankheitsbild/
Abgerufen am 3.4.2024